Smart Mirror im Betrieb
IOT Upcycling,  Restaurierung

Smart Mirror Projekt

Einen Smart Mirror aus Neuteilen zu bauen, ist die übliche Vorgehensweise.
Richtig interessant wird es, wenn allein der Rahmen schon über 150 Jahre alt ist.

Am Anfang war einfach ein Raspberry Pi übrig, eine Vesa-Halterung, ein alter 19-Zoll-Monitor und der Wunsch, einen smarten Spiegel zu bauen. Schminktisch von ca. 1850

Die Basis unseres Smart Mirrors sollte eine Antiquität sein, und so gingen wir auf die Suche, bis wir diesen nicht mehr ganz so schönen, französischen (?) Schminkspiegel von ca. 1850 gefunden haben. Die nachfolgenden Bilder belegen ganz gut den Zustand der Oberflächen. Aber: es war kaum etwas heraus gebrochen und die Spiegelmaße von 35 x 45 cm erschienen ideal.

Gut ist, wenn man gute Freunde hat

Die Bearbeitung der Schäden am Holz stellte uns vor eine große Herausforderung. Da man ein antikes Möbel nicht mal eben neu kaufen kann, ist höchste Vorsicht geboten.
Daher haben wir bei Instagram Möbelrestauratoren gefragt, was zu tun sei.
In diesem Zusammenhang: vielen Dank an Alexander Eschke #restaurierungshalle aus Halle, “Webseite” und Palm Upcycling #palm_upcycling aus Bad Salzuflen.
Vielen herzlichen Dank!

Plan und Material

Das antike Schmuckstück wurde zunächst auseinandergebaut und der Spiegel entnommen. Diesen benötigen wir, um den Spionspiegel (damit die Schrift des Monitors durchscheint) in der richtigen Größe zu bestellen.
Hierbei fiel auf, dass der gesamte Spiegelrahmen neu verleimt werden musste. Ohnehin mussten für Monitor und Kleincomputer ein Rahmen gebaut und dieser wieder in den Spiegelrahmen eingeleimt werden – zunächst also viele Bauarbeiten. Das Holz für den Technikkasten haben wir uns bei Expresszuschnitt.de direkt passend geschnitten bestellt.
Die Idee, dies selbst zu machen, wurde aus Kostengründen verworfen.
Rahmenbau Erste Probeanpassung Rahmen in Rahmen.

Die anglieferten Bretter stimmten auf den Millimeter: so kann es zügig weiter gehen.

Erste Probeanpassung Rahmen in Rahmen.

Die anglieferten Bretter stimmten auf den Millimeter: so kann es zügig weiter gehen.

Rahmen für den Monitor
Rahmen für den Monitor

Der verwendete Monitor hat herausstehende Bedienelemente, die eine Aussparung erfordern. Hierfür benötigt man eine Oberfräse.
So etwas Tolles hatten wir bis dahin noch nicht – und auch keine Ahnung, wie man sowas bedient. Nach der ausführlichen Lektüre der Bedienungsanleitung und zahlreichen Youtube-Videos zum Thema Oberfräse fanden wir das passende Werkzeug hier in Kiel beim Bauhaus
und legten mit einer Probefräsung los.

Testfräsung
Testfräsung

Wir verwenden die BOSCH POF 1400 ACE. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: “Für Anfänger bestens geeignet”. Alles andere ist Sache der Experten.

Aussparung für Bedienelemente
Aussparung für Bedienelemente

Nun war es an der Zeit, die richtige Nut zu fräsen. So schwer kann das nach der ersten Testfräsung doch nicht sein. Stimmte auch: das war wirklich ganz einfach.

Hier die zweite Fräsung die wir jemals gemacht haben. Passt perfekt!

Monitor im Rahmen anpassen
Kleiner test, haben wir alles richtig gemacht?

Das Spionglas für den Spiegel haben wir hier in Kiel von der Glaserei Pries bekommen. Vielen Dank nochmal.  Es passt perfekt.
Nun sollten wir mal testen, ob die Technik überhaupt das hergibt, was wir uns da vorgestellt haben:

Smart Mirror Probelauf
Smart Mirror Probelauf

Hier sehen wir, dass die mit dem ursprünglichen Image von MagicMirror2 erstellten Anpassungen greifen. Den Kalender, Ort und die Begrüßungen haben wir angepasst. Außerdem, was man hier leider nicht sieht, läuft unterhalb der RSS Stream von Spiegel Online. Eine andere Nachrichtenquelle hätte man für dieses Projekt niemals nehmen können.

Also gut: unser Spiegel ist Online – auf geht’s zum endgültigen Rahmenbau.

Rahmenbau mit Fischleim
Rahmenbau mit Fischleim von Hermann Sachse 1901.

Wir wollten unbedingt historisch korrekte Naturmaterialien verwenden. Zum einen, weil es besser für Umwelt und Gesundheit ist, zum anderen, weil wir nur soviel erneuern wollen wie notwendig.
Daher haben wir uns für Fischleim von #hermann_sachse_1901 Hermann Sachse 1901 aus Berlin -Webseite- entschieden.

Nun wird die Technik in den Rahmen gelassen.
Das schwarze Klebeband wird benötigt, damit der helle Rahmen des Monitors nicht durchscheint. Also muss alles, was nicht reines Display ist, schwarz abgeklebt werden.

Die Technik wird im Rahmen verbaut.
Die Technik wird im Rahmen verbaut.

Ein besonderes Kapitel:
Holzrestaurierung und Schellackpolitur

Wie bereits beschrieben, musste am Träger mit den Schubladen einiges getan werden. Tipp 1 war: die Oberfläche mit Alkohol behandeln.
Das lief schon mal ganz gut; aber danach sah man die Schäden erst so richtig.

Tipp Nr. 2 :Abschleifen mit möglichst feinem Papier

Es war schnell klar, dass Alkohol alleine nicht genügt.
Das ist halt wie im wahren Leben: da gehören noch Mett und Salzbrezeln dazu. Das Furnier ist ziemlich empfindlich und nicht besonders dick. Daher sind hier 800er und 1000er Schleifpapier zum Einsatz gekommen.

Nass Schleifen
Nass Schleifen

Das unendliche Finale: Die Schellack Politur

Für eine gute Schellack Politur benötigt man Polierballen aus: Schafwolle, Baumwolle und Leinen. Dazu natürlich selbst angesetzte Politur und starke Nerven.

Es ist ganz wichtig, einen Ballen für das Vorpolieren zu nehmen und einen für das Finish. Bei unversiegelten Hölzern kann/sollte mit Bimsmehl gearbeitet werden. Dieses Mal haben wir auf das Bimsmehl verzichtet.
Die Schellack-Flocken werden in Ethanol aufgelöst. Das klappt leider nicht so reibungslos wie erhofft. Wir mussten ständig durchrühren. Wenn Zeit ist, werden wir uns ein Verfahren ausdenken, damit das Ganze eleganter funktioniert.

Nun zu den verschiedenen Stufen bis zum Finish:

Schellack , erste Schicht
Schellack , erste Schicht
Schellack , erste Schicht
Schellack , erste Schicht. Die Schubladen
Schellack , erste Schicht
Schellack , erste Schicht. Der Spiegelrahmen

Wie man sieht, sind die Schubladen und der Rahmen etwas dankbarer im Umgang mit der Politur. Je größer die Fläche umso schwieriger wird es, ein sauberes Ergebnis hinzubekommen. Ist man zu ungeduldig, so reisst man die letzte Schicht auf. Ohnehin muss zwischen den einzelnen Schichten mindestens 24 Stunden gewartet werden. Optimal: 1 Schicht am Freitag auftragen, die nächste dann wieder erst am Montag.

Schellack , dritte Schicht
Schellack , dritte Schicht
Schellack , fünfte Schicht
Schellack , fünfte Schicht
Schellack , Finale!
Schellack, Finale!

Nun muss noch die Rückwand des Spiegelrahmens mit Stoff verkleidet werden.

Stoffverkleidung

Montage!

Fertig montierter Smart Mirror in unserer Werkstatt
Fertig montierter Smart Mirror in unserer Werkstatt
Der Smart Mirror im Betrieb
Und hier ist der Smart Mirror nun im Betrieb

ENDE

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